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Kaffeekränzchen

- 05.07.2011

Heute hat meine Mutter meine Tante Marianne und die zwei Nachbarinnen eingeladen, damit ich auf meinem Notebook eine Diashow aus Kolumbien vorführe. Das hat sie mir beim Frühstück eröffnet und ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass ich da so zeitnah informiert wurde und dass es natürlich auch von ernsthaftem Interesse war, ob ich denn Zeit und Lust dazu hätte. Jetzt habe ich noch schnell alle tendenziell brenzligen Bilder in einen anderen Ordner verschoben und hoffe, nichts übersehen zu haben. Denn das fehlt mir ja gerade noch, die Damen an der Kaffeetafel und ein paar halbnackte Kolumbianer auf dem Bildschirm…

Der ganze Stolz meiner Eltern ist der neue Teppich, der im Schlafzimmer, im Wohn- und Essbereich verlegt wurde. Ein dunkles Créme, könnte man sagen und vor allem eines: absolut benutzerunfreundlich. Man sieht ja sofort alle Flecken, was meine Mutter natürlich jetzt andauernd veranlasst, hektisch nach Verdächtigem zu suchen. Bei der Anschaffung eines neuen Staubsaugers, der auch Textilien mit einer speziellen Wäsche reinigt, helfe ich nun gerade. Ein Staubsauger Vergleich im Internet eröffnet meiner Mutter ganz neue Dimensionen, da ist der Mauerfall nichts gegen. Im Staubsauger Vergleich werden die Geräte jetzt Kriterien unterzogen, von denen ich zuvor noch nie gehört habe, aber so wenig meine Mutter sich mit dem Internet auskennt, so navigiert sie mich herrisch zum Siemens VSZ31455 und seine Möglichkeiten. Ich habe ihr dann aufgetragen, selbst einmal Staubsauger Vergleich einzugeben und sich umzugucken, aber nachdem sie sich bei Staubsauger Vergleich dann mehrfach vertippt und seltsame Ergebnisse hervorgerufen hat, war es dann wieder an mir, dem Staubsauger Vergleich ein respektables Ergebnis zu entlocken. Und siehe da, es ließ sich tatsächlich ein Gerät finden, mit dem man saugen, putzen, waschen, einmachen und entsaften kann, wenn ich das richtig verstanden habe. Meine Mutter ist hochzufrieden und ich bin es demzufolge auch.

Gestern Abend bin ich dann mit leichtem Gepäck und schwerer Bräune bei meinen Eltern angekommen und  hätte ich es nicht besser gewusst, hätte man meinen können, die Wiederauferstehung Jesu´ sei gepriesen worden. Ich kann mich nicht erinnern, wann sich das letzte Mal jemand so gefreut hat, mich zu sehen. Na mal gucken, wie lange das anhält. Und da gilt es ja auch noch einen strategisch günstigen Zeitpunkt für den finanziellen Aspekt zu erwähnen, was meine Fortbildung angeht… Aber daran will ich jetzt wohl erst einmal nicht denken. Meine Eltern haben mich erst einmal superstolz durch das Haus geführt, als hätte ich mein Elternhaus noch nie gesehen. Meine Mutter sagt dann auch Dinge wie „Und da im Regal liegen die Handtücher“, als hätte ich mich nicht ungefähr 20 Jahre mit ebenjenen Handtüchern in ebenjenem Regal abgetrocknet. Aber schön ist es natürlich zu Hause und halt auch nicht frei von gewissem Witz.

Nachdem ich nun vorgestern aus Kolumbien zurück gekommen bin, gilt es jetzt schon wieder die Taschen zu packen, sobald denn mal meine zig Touren Wäsche durchgelaufen sind, die sich hier noch mannshoch häufen. Die nächsten Tage verbringe ich nämlich bei meinen lieben Eltern, die natürlich ihre längst verschollen geglaubte Tochter wieder in die Arme nehmen und dann einige Tage umsorgen wollen. Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht regelmäßig Emails und Karten geschickt, aber so ist das wohl bei der einzigen Tochter. Und ich freue mich natürlich auch, dass ich nach langer Zeit auch mal wieder ein klar definiertes Reiseziel mit überschaubarer Route und fester Unterkunft vor mir liegen sehe und ganz unbeeindruckt von Klima und Witterung bleiben darf. So langsam geht mir auf, warum es „Hotel Mama“ heißt… Da fällt mir ein, dass ich ja auch die ganze Souvenirs auch noch raussuchen und verpacken muss. Ach je…

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